builderall

Karrierekiller Lampenfieber

Nicht nur Schauspieler und Musiker leiden unter Auftrittsängsten sondern auch Top-manager, Politiker, Vortragende, Selbständige und Verkaufsrepräsentanten. 80 Prozent der Menschen sind von diesem Übel betroffen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die meisten fühlen sich ihrem Lampenfieber hilflos ausgeliefert. Etliche können ihre Angstgefühle und die dazu gehörenden belastenden Symptome nicht mehr aushalten und beenden deshalb ihre Karriere.

 

Berühmte Künstler wie Lady Gaga, Adele oder Paul McCartney bekennen sich mittlerweile offen zu ihrer Bühnenangst, was sie jedoch nicht davon befreit. Seine Befürchtungen nur auszusprechen, reicht leider nicht aus, weiß Maria Staribacher aus ihrer Praxis als Lampenfiebercoach.

 

Auch im normalen Berufsleben breitet sich Lampenfieber zunehmend aus. Präsentieren gehört längst zu den meisten Job-Descriptions. Zusätzlichen Stress machen Online-Meetings und Konferenzen, wenn die Kamera eingeschaltet wird. Nicht wenigen steht dann der Schweiß auf der Stirne.

Auch für Selbständige ist es unumgänglich, sich im Netz die nötige Aufmerksamkeit für seine Produkte und Dienstleistungen zu sichern. Werden dazu Videos und Live-Reels benötigt, steigt der Blutdruck schon mal auf 180.


Für jemanden, der mehrmals pro Woche diesen Herausforderungen ausgesetzt ist, kann das zur enormen Belastung werden. Manchen Menschen helfen oftmalige Wiederholung und Routine, und die Versagensangst wird geringer. Bei vielen anderen jedoch passiert das genaue Gegenteil. Die Angst vorm Präsentieren steigt ins Unermessliche. Kein Wunder, wenn diese Menschen am liebsten weglaufen möchten, um sich den für sie so schrecklichen Situationen nicht stellen zu müssen. Viele werden am Tag der Präsentation krank, um sich zu entziehen. Das können tatsächliche Erkältungen, Verdauungsprobleme oder Migräne sein. Nicht selten jedoch werden Beschwerden vorgeschoben, um nicht zum Temin erscheinen zu müssen.


Was macht nun den Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Gruppe aus? Der Grund liegt in der Art und Weise, was jemand über sich selbst denkt. Wer sich selbst gegenüber sehr kritisch eingestellt ist und stets nur das Negative sieht, was nicht gelungen ist und wo Fehler passiert sind, mindert sein eigenes Selbstwertgefühl enorm. Er bleibt hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Der erste Schritt wäre, sich zunächst einmal so zu akzeptieren. Das fällt vielen Menschen enorm schwer.

Sie glauben Ansprüche erfüllen zu müssen und keine Schwäche zeigen zu dürfen. Doch hinter ihrem Perfektionsanspruch steckt mangelndes Selbstbewusstsein.

Der selbstgemachte Druck jedoch fördert wiederum die Anfälligkeit für Fehler. Er macht unkonzentriert und fahrig. Die Gefahr für ein Blackout steigt dadurch. Das, was eigentlich vermieden werden soll, bekommt durch so ein Verhalten erst den Raum, um wirksam zu werden.


Eine Null-Fehler-Toleranz, die in vielen Unternehmen stark verbreitet ist, vergrößert die Unsicherheit zusehends. Man müsste eigentlich in diesem Wort schon erkennen, dass es ein Widerspruch in sich selbst ist.


Toleranz heißt Verständnis, Duldsamkeit und Entgegenkommen. Wer sich selbst und anderen mit einer solchen empathischen Einstellung begegnet, trägt wesentlich dazu bei, den Stresspegel beim Präsentieren zu senken. Dafür setzt sich Maria Staribacher ein.


Die Medien gaukeln uns jeden Tag perfekte Menschen vor. Oft wird dabei vergessen, dass Fotos retuschiert sind und Videoaufnahmen zig-mal wiederholt werden, vor sie an die Öffentlichkeit gehen. Wir sollten uns Menschen als Vorbilder nehmen, die zu ihren Ecken und Kanten stehen. Das ist lebendig und erfrischend.

Doch die Realität sieht leider anders aus. Viel zu oft werden Beförderungen rückgängig gemacht, weil die Repräsentationsaufgaben eine zu starke Belastung darstellen. Wer nicht weiß, wo geeignete Hilfe zu bekommen ist, stiehlt sich klammheimlich aus der vorhergesagten Karriere davon.


Diejenigen, die die Zähne zusammenbeißen und ihre Auftritte mit Unbehagen und Nervosität erledigen, kommen dann aber irgendwann auf der Karriereleiter nicht mehr weiter, wenn das Chrisma fehlt. Die nagenden Selbstzweifel werden für die anderen dann doch irgendwie spürbar, denn sie wirken durch ihre Nervosität wenig vertrauenserweckend.


Und ein anderer Kandidat mit besserem Auftrittsverhalten zieht an ihnen vorbei an die Spitze.