Ich freue mich sehr, einen Award für meinen Einsatz gegen übergroßes Lampenfieber erhalten zu haben. Den Artikel im Wiener Bezirksblatt findest du weiter unten.
Warum Lampenfieber immer noch eines der größten Tabus ist
2 Gründe, warum Auftrittsängste so stark verbreitet sind
Robert hat seinen Job als Führungskraft einer mittelständischen Firma gut im Griff. Bei seinen 32 Mitarbeitern ist er angesehen und beliebt. Er ist gesellig und kann gut mit Menschen umgehen. Kaum soll er jedoch das wöchentliche Meeting mit seinen Kollegen auf gleicher Ebene leiten oder die neuesten Zahlen vor dem Vorstand präsentieren, wird er unsicher, beginnt zu schwitzen, sein Herz rast und die Stimme wird dünn und brüchig. Oftmaliges Räuspern hilft nichts. Im Gegenteil, es scheint die Zuhörer erst recht auf seine Schwäche aufmerksam zu machen.
Robert ist mit seinem Problem nicht allein. Wir können davon ausgehen, dass 80 Prozent der Menschen von Auftritts- und Redeängsten geplagt werden. Den wenigsten wurde ein selbstsicheres Verhalten auf der Bühne in die Wiege gelegt. Eine amerikanische Studie besagt, dass die Angst vor öffentlichem Sprechen noch der Angst vor Krankheit und Tod rangiert. Überspitzt dargestellt heißt das, dass Menschen lieber sterben würden als aufzustehen um eine Rede zu halten.
Warum ist das so?
Angst ist eigentlich eine hilfreiche Emotion. Sie schützt uns vor Gefahren. In Urzeiten waren wir von gefährlichen Tieren bedroht. Beim Präsentieren siehst du wenn überhaupt nur im übertragenen Fall Bestien im Publikum sitzen. Es geht nicht mehr um das körperliche Überleben sondern vielmehr, um das soziale Überleben. Wir haben Angst um unseren Ruf, um Status und Rang. Wir haben Angst vor Gesichtsverlust. Wir haben Angst, unser Selbstwert würde herabgesetzt.
Obwohl fast jeder davon betroffen ist, wird kaum darüber gesprochen. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Robert schämt sich nicht nur wegen seiner Unsicherheit und Nervosität, er befürchtet als inkompetenter Versager dazustehen. Trotz allem Grübeln konnte er bis jetzt nicht herausfinden, was die Ursache für sein Lampenfieber ist. Und noch weniger weiß er, was er dagegen tun kann.
Wenn alle Augen erwartungsvoll auf uns gerichtet sind ? egal ob wir nun auf einer tatsächlichen Bühne stehen oder nur in einem Besprechungsraum vor die anderen hintreten ? haben wir das Gefühl, das Publikum könnte uns durchschauen, und all unsere Mängel, Fehler und Schwächen würden für alle sichtbar werden. Für jemanden, der nicht auch zu seinen Schattenseiten steht, ist das eine enorme Bedrohung.
Wir alle haben uns ein Bild von uns selbst erschaffen, das wir gerne nach außen in der Öffentlichkeit präsentieren. Das klammert aber Teile unseres eigentlichen Selbst aus. Die verletzbaren und verletzten Anteile, die unzufriedenen und widerspenstigen und vor allem die ungeliebten. Wir leben unsere Persönlichkeit so, dass sie den gängigen Normen entspricht, je nachdem in welchem Umfeld wir uns bewegen. So können Macht und Durchsetzungsvermögen, Mitgefühl und Zurückhaltung, Unterordnung und Teamgeist, etc als erstrebenswerte Eigenschaften gelten.
Robert hat Angst, seine Maske des coolen, unverletzbaren Typen, der alles im Griff hat, könnte durchschaut werden. Und hinter der bröckelnden Fassade käme seine wahre Persönlichkeit zu Tage, die auch unsichere, verletzliche Seiten beinhaltet. Er glaubt, diese Eigenschaften hätten im Berufsleben keinen Platz und sie würden ihm seine Kompetenz rauben. Außerdem ist er felsenfest davon überzeugt, er sei nur auf Grund außergewöhnlicher Leistungen liebenswert.
Leider ist sich Robert dieser Gedanken nicht bewusst. Die laufen im Hintergrund ab und werden nur durch spezielle Herausforderungen wie Präsentationen zu halten angetriggert. Das heißt, er spürt nur mehr die Auswirkungen dieser verinnerlichten Glaubenssätze auf der körperlichen Ebene durch Herzrasen und auf der psychischen Ebene durch Angstgefühle.
Wenn wir vor anderen auftreten und in irgendeiner Form Leistung erbringen sollen, werden gleich drei von fünf unserer psychologischen Grundbedürfnisse in Frage gestellt.
Die erste Frage lautet: Bereitet es uns eher Lust
1. Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
2. Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
3. Das Bedürfnis nach Konsistenz oder Kohärenz
Meiner Meinung nach geht die größte Bedrohung davon aus, dass der Selbstwert beschädigt werden könnte. Das hat keineswegs mit den Zuhörern zu tun, sondern nur mit dem eigenen Urteil über uns selbst. Wir befürchten, hinter den eigenen Erwartungen und hinter den vermeintlichen Erwartungen der anderen zurück zu bleiben. Wir befürchten Herabwürdigung und Häme. Wir befürchten, Respekt, Anerkennung und Wertschätzung zu verlieren. Wir befürchten vom selbst errichteten Sockel gestoßen zu werden. Doch in Wahrheit machen wir all das selbst. Wir werten uns selbst ab. Wir verzeihen uns unsere Fehler nicht. Wir verurteilen uns wegen unserer Mängel. Wir verachten selbst unsere eigenen sensiblen und zarten Seiten. Wir gehen mit uns selbst lieblos oder sogar grausam um.
Psychische Labilität oder gar Krankheit ist ein ganz großes tabu in unserer Gesellschaft. Nicht umsonst sind in der ganzen Stadt großflächige Plakate angebracht, die ermutigen sollen, sich im Bedarfsfall Hilfe zu holen. Wenn der Körper krank ist, gehen wir zum Arzt und holen uns Medikamente, kurieren uns aus oder unternehmen etwas, damit es uns wieder besser geht. Alles was das eigene instabile Gefühlsleben betrifft, wird gerne geleugnet. Und dabei ist Lampenfieber nicht einmal eine richtige Angststörung, sondern es betrifft nur einen gesonderten Bereich im Leben. Die wenigsten haben ständig Angst, etwas falsch zu machen. Diese Personen gibt es natürlich auch.
Hier ist der Artikel dazu:
https://wienerbezirksblatt.at/preis-gegen-lampenfieber/
Wer gibt schon gerne öffentlich zu, dass er unter Unsicherheit und Nervosität beim Präsentieren und Public Speaking leidet?
Ich spreche darüber, wann immer ich dazu die Gelegenheit habe. Niemand soll sich mehr dafür schämen müssen. Niemand soll mehr darunter psychisch leiden. Keine Präsentation oder Rede soll mehr durch Lampenfieber verhagelt werden.
Dafür stehe ich in meinen Speakings und Coachings.
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